Gesperrte Steuergeräte ab 2020: Was MG1 und MD1 bedeuten

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Warum neuere Fahrzeuge sich nicht mehr einfach über den OBD-Stecker tunen lassen — und welche Wege es stattdessen gibt.

Wer ein Fahrzeug ab etwa Baujahr 2020 fährt und nach Chiptuning fragt, bekommt oft eine überraschende Antwort: Über die Diagnosebuchse geht nichts mehr. Der Grund heisst MG1 beziehungsweise MD1 — die aktuelle Generation der Bosch-Motorsteuergeräte.

Was sich geändert hat

Frühere Steuergeräte liessen sich über den OBD-Anschluss auslesen und beschreiben. Bei MG1 (Benziner) und MD1 (Diesel) ist der Schreibzugriff kryptografisch abgesichert. Der Speicherbereich mit den Kennfeldern ist signiert; ohne gültige Signatur verweigert das Steuergerät die Annahme.

Das ist kein Zufall und keine Schikane. Die Hersteller reagieren damit auf regulatorische Vorgaben zur Manipulationssicherheit von Abgas- und Sicherheitssystemen.

Welche Fahrzeuge betroffen sind

Die Umstellung erfolgte nicht an einem Stichtag, sondern modellweise zwischen etwa 2018 und 2021. Betroffen sind unter anderem neuere BMW- und MINI-Baureihen, Mercedes-Benz ab bestimmten Motorgenerationen sowie grosse Teile des VAG-Konzerns. Ob Ihr konkretes Fahrzeug dazugehört, klärt erst das Auslesen.

Der Weg über die Werkbank

Wo der OBD-Zugang versperrt ist, bleibt der direkte Zugriff auf das Steuergerät. Dafür wird es ausgebaut und auf der Werkbank über seine internen Schnittstellen angesprochen. Das ist aufwendiger, dauert länger und setzt spezielle Hardware voraus.

  • Steuergerät ausbauen — je nach Fahrzeug 30 bis 90 Minuten
  • Auslesen des Originalstandes über die Bench-Schnittstelle
  • Bearbeitung und Prüfsummenkorrektur
  • Zurückschreiben und Wiedereinbau
  • Anlernen und Funktionsprüfung

Seien Sie misstrauisch, wenn ein Anbieter bei einem Fahrzeug ab 2021 Stage 1 „in 30 Minuten über OBD“ verspricht. Entweder ist das Fahrzeug doch nicht gesperrt, oder die Aussage stimmt nicht.

Was das für Codierung bedeutet

Wichtig zu trennen: Die Sperre betrifft das Motorsteuergerät. Komfort-Codierungen an Headunit, Kombiinstrument und Karosseriesteuergeräten sind davon nicht betroffen und funktionieren weiterhin normal über die Diagnosebuchse — auch per Fernzugriff.

Ehrlich gesagt

Bei manchen Fahrzeugen lohnt sich der Aufwand schlicht nicht. Wenn der Ausbau des Steuergeräts mehr kostet als der Zugewinn wert ist, sagen wir das. Eine ehrliche Absage ist uns lieber als ein unzufriedener Kunde.

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